Liebe Frau Heidenreich,
vor 30 Jahren fand ich die Else Stratmann gut. Das war eine Kleinbürgerin an der Fensterbank, die das Weltgeschehen kommentierte. Wer Ironie verstehen kann, versteht diese auch als Kind schon. Aber Ihre Kolumne im Stern ist keine Ironie, oder?
Denn was ich hier lese (danke für den Link macnews.de) zeigt, dass Sie selbst zur engstirnigen Kleinbürgerin geworden sind:
Was soll ich tun, gegen das Rad der Zeit antreten, wie schon so oft? Ich hab ja damals nicht mal das Faxgerät aufhalten können oder das unsägliche iPhone, das all meine Freunde haben. Bei mir: Hausverbot dafür! Bei mir dürfen sie rauchen und lärmen, aber mit dem iPhone spielen ist verboten. Blöde Glasplatte, blöde. Leute, die so was haben, lesen auch nicht mehr. Sollten sie aber.
Was denn? Ihre Bücher?
mein Verleger wettert (und wie ich finde: zu Recht) in Interviews gegen das E-Book. Wie fühlt sich das denn an! Wie sieht das denn aus! Was soll das denn für ein Buch sein, ist das noch ein Buch? Natürlich nicht, pah!
Sie können sich ja dagegen wehren, dass Ihre Texte auf digitalen Medien erscheinen. Sollten Ihre Werke erfolgreich sein, wird sehr schnell jemand die Papiervorlage scannen und kostenlos ins Internet stellen. So schnell können Sie gar nicht das Wort Urheberrecht aussprechen. Da ist es doch besser, sie gleich digital verfügbar zu machen – egal, was Sie selbst davon halten.
Gehen Sie mir also weg mit Ihrem elitären Getue, denken Sie lieber darüber nach, ob es nicht vielleicht sinnvoll sein könnte, Kinderbücher für Nintendo DS herauszubringen. Sonst sind Sie die nächste Generation potentieller Leser los.
[Via Elke Heidenreichs ‘Weiterlesen!’ : Hausverbot fürs iPhone – Unterhaltung – Extra – STERN.DE
PS: Ich habe mal angefangen, eines Ihrer belletristischen Werke zu lesen (es war Kolonien der Liebe). Ich fand es langweilig und habe ein anderes Buch aus dem Regal genommen.

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