Die Zukunft der digitalen Landschaft Europas wird derzeit in den politischen Kammern Brüssels diskutiert. Das Ergebnis wird jedoch in Umspannwerken, Rechenzentren, Übertragungskorridoren und Ingenieurbüros entschieden. Das Spannungsfeld zwischen strategischer Absicht und konkreter Umsetzung steht im Mittelpunkt einer Debatte, an der ich in den vergangenen Monaten aktiv beteiligt war – im Rahmen meiner Arbeit mit dem Verband der Europäischen Ingenieurberatungsunternehmen (EFCA) und in direktem Austausch mit der Europäischen Kommission.
Im November 2025 hielt ich zusammen mit Mihai Barcanescu, Portfoliomanager des EFCA-Sekretariats, einen Vortrag vor Vertretern der Energie- und Sicherheitsabteilungen der Europäischen Kommission. Der Schwerpunkt lag auf den strukturellen Risiken für das europäische IKT-Ökosystem und den technischen Maßnahmen, die zur Stärkung seiner Widerstandsfähigkeit erforderlich sind. Die Diskussion stützte sich direkt auf den EFCA-Bericht „Future Trends Report – The Resilience of the European ICT System” (Zukunftstrends 2025 – Die Widerstandsfähigkeit des europäischen IKT-Systems), an dem ich als technischer Autor mitgewirkt habe und der unter der Schirmherrschaft der European Federation of Engineering Consultancy Associations (Europäische Föderation der Ingenieurberatungsverbände) erstellt wurde. Die Kernaussage des Berichts ist eindeutig: Die digitalen Ambitionen Europas können ohne ebenso ambitionierte Investitionen in die Unterstützung kritischer Infrastrukturen nicht verwirklicht werden.
Am 10. März werde ich auf Einladung der Europäischen Kommission nach Brüssel zurückkehren, um die Ergebnisse des Berichts persönlich vorzustellen und die Investitionswege, strukturellen Mechanismen und technischen Umsetzungskapazitäten, die zur Beschleunigung des Fortschritts erforderlich sind, näher zu erläutern.
Kontext und Analyse
Künstliche Intelligenz, Hochleistungsrechnen, souveräne Cloud-Infrastrukturen und sichere Finanzplattformen werden zunehmend als kritische Infrastrukturschichten anerkannt. Die Resilienz dieser Systeme hängt jedoch vollständig von den physischen Umgebungen ab, in denen sie betrieben und mit Energie versorgt werden – und diese befinden sich derzeit noch weitgehend außerhalb der Europäischen Union.
Der EFCA-Bericht identifiziert eine Reihe sich gegenseitig verstärkender Schwachstellen: Energieabhängigkeit, die geografische Konzentration von Rechenkapazitäten, fragmentierte Regulierungsrahmen sowie die wachsende Lücke bei Ingenieur- und Digitalkompetenzen. Dies sind keine abstrakten Risiken. Sie stellen strukturelle Hemmnisse für Europas Fähigkeit dar, wettbewerbsfähig zu bleiben, zu gestalten und sich anzupassen.
Deutschland und der europäische Ingenieursektor insgesamt verfügen über die industrielle Tiefe, die regulatorische Reife und die technische Expertise, um diese Lücken zu schließen. Die Kompetenz ist vorhanden. Was bisher fehlt, ist ein koordinierter, europaweiter Mechanismus, um diese Kompetenz in großem Maßstab zu nutzen.
Wie ich es in der Sitzung der Kommission formulierte: