Wie moderne Sanierungs-Konzepte Deutschlands Schienennetz zukunftssicher machen

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Deutschlands Schienennetz steht vor großen Herausforderungen: Steigende Fahrgastzahlen und Güteraufkommen treffen auf ein überlastetes und teils veraltetes System. Moderne Sanierungskonzepte und innovative Ausbauprojekte, wie sie Unternehmen von Dorsch umsetzen, zeigen, wie gezielte Maßnahmen die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Bahn entscheidend verbessern können.

German Railway

Die Bahn gilt als Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität und als Schlüssel zur Verkehrswende in Deutschland. Doch das Schienennetz steht vor enormen Herausforderungen: Während die Betriebsleistung seit der Bahnreform 1994 um rund 28 % gestiegen ist, hat sich die Netzlänge im selben Zeitraum um etwa 17 % verringert. 

Heute werden auf knapp 39.000 Kilometern deutlich mehr Züge abgewickelt als je zuvor – mit spürbaren Folgen für Fahrgäste und Unternehmen.[1]

Dabei wird bis zum Jahr 2040 das Personenverkehrsaufkommen in Deutschland um 3,5 % steigen. Im Güterverkehr prognostizieren Experten einen Zuwachs des Transportaufkommens um 17,3 % auf 5,1 Milliarden Tonnen, so die Ergebnisse der Verkehrsprognose 2040 des Bundesverkehrsministeriums.[2]

Diese Prognosen treffen auf ein Netz, das vielerorts an seine Grenzen stößt: Überlastete Strecken, Verspätungen und Engpässe prägen den Alltag. Allein im Jahr 2024 wurden nur 48,2 Kilometer neu- oder ausgebaute Schienenstrecken in Betrieb genommen. Das entspricht etwa der Entfernung von Köln nach Düsseldorf. Das Straßennetz wuchs wie in den vergangenen Jahren in derselben Zeit um etwa 10.000 Kilometer, also 200-mal so schnell.[3]

Der Ausbau von Bahnstrecken ist aufwendig: Flächenknappheit, langwierige Genehmigungen und Bauarbeiten unter dem „rollenden Rad“, also unter laufendem Betrieb, verzögern Projekte und erhöhen die Kosten. Vor diesem Hintergrund geraten innovative Lösungsansätze und verlässliche Planungskompetenz zunehmend in den Fokus. Denn um den steigenden Anforderungen und den politischen Zielsetzungen gerecht zu werden, sind nicht nur Investitionen, sondern auch technische und organisatorische Expertise gefragt.

Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte tragen die Unternehmen von Dorsch Europe dazu bei, Engpässe zu beseitigen, Kapazitäten zu erweitern und die Qualität des Bahnverkehrs nachhaltig zu verbessern. Wie solche Vorhaben konkret aussehen, zeigen aktuelle Projektbeispiele aus dem Unternehmensverbund.

Ausbaustrecke ABS Hanau–Gelnhausen

Die Deutsche Bahn erweitert die Strecke zwischen Hanau und Gelnhausen auf durchgehend vier Gleise. Die zusätzlichen Gleise ermöglichen einen flexibleren und störungsfreieren Betrieb, da der Fern- und Nahverkehr künftig entmischt wird. Schnelle Züge fahren getrennt von langsameren auf eigenen Gleisen. Die Geschwindigkeit wird von heute 160 auf künftig bis zu 250 km/h erhöht. Dies verbessert die Pünktlichkeit und verkürzt die Fahrzeiten im Fern- und Regionalverkehr.

Alle Verkehrsstationen entlang der Strecke werden modernisiert und barrierefrei ausgebaut. Die Anwohnenden profitieren durch den Bau von über 30 Kilometern Schallschutzwänden. Zusätzlich werden Maßnahmen für den Umwelt- und Artenschutz umgesetzt, darunter Ersatzhabitate und Nisthilfen für Weißstörche, Zauneidechsen und Ameisenbläulinge.

Der erste Planfeststellungsabschnitt 5.17 ist bereits im Bau, die Planfeststellungsabschnitte 5.16 bis 5.13 folgen sukzessive in den nächsten Jahren.

Dorsch Europe ist im Auftrag der DB InfraGO AG beteiligt: Die Ingenieurgemeinschaft KREBS+KIEFER / BUNG verantwortet die Gesamtplanung, das heißt Objektplanung von Verkehrsanlagen und Ingenieurbauwerken sowie die Tragwerksplanung. BPS rail ist als Nachunternehmer für die Oberleitung eingebunden. Zum ersten Mal plant die BPS damit auch eine HOL (Hochgeschwindigkeits-Oberleitung). Die Strecke wird für 230 km/h trassiert, die Oberleitungsanlage (OLA) ist jedoch als Re 250 ausgelegt und erlaubt damit eine maximale Geschwindigkeit von 250 km/h. Damit verfügt die OLA über eine höhere Leistungs- und Geschwindigkeitsreserve, als für den Betrieb derzeit benötigt wird.

Die gezielte Erhöhung der Kapazitäten für den Schienengüter- und Personenverkehr auf diesen Teilstrecken hilft, Emissionen zu reduzieren und den Verkehr schrittweise von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität von morgen – und zeigen, wie technisches Know-how und ganzheitliche Planungsansätze die Zukunft des Bahnverkehrs sichern.

Dipl.-Ing. Michael Schanzenbach, Geschäftsführer KREBS+KIEFER

Ausbauvorhaben Mannheim–Friedrichsfeld

Die Deutsche Bahn erweitert im Rahmen des Gesamtprojekts Mannheim–Heidelberg die Strecke zwischen Mannheim Hauptbahnhof und Mannheim‑Friedrichsfeld, um bestehende Engpässe zu beseitigen und die Kapazitäten im Schienen‑ und Güterverkehr nachhaltig zu erhöhen. Der mehrgleisige Ausbau zwischen Mannheim Hauptbahnhof und Mannheim‑Friedrichsfeld Süd verbessert insbesondere das Angebot im Nahverkehr, während ein neues kreuzungsfreies Bauwerk in Mannheim‑Friedrichsfeld künftig dafür sorgt, dass Güterzüge den Rangierbahnhof passieren können, ohne den Personenverkehr zu beeinträchtigen. Dies steigert die Betriebsqualität, erhöht die Zuverlässigkeit und schafft wichtige Reserven für den prognostizierten Verkehrszuwachs bis 2030.

Im Rahmen der Ingenieurgemeinschaft INGE Mannheim Friedrichsfeld sind GRE German Rail Engineering, KREBS+KIEFER und BUNG mit der Generalplanung für die Planungsabschnitte 2 und 3 beauftragt. Die Leistungen umfassen die Objekt‑ und Fachplanung in den Leistungsphasen 1 und 2 (optional 3–7) für die Gewerke Verkehrsanlagen, konstruktiver Ingenieurbau, Oberleitungsanlagen und 50‑Hz‑Technik. Gemeinsam mit BPS rail als Nachunternehmer bringen GRE und KREBS+KIEFER in der INGE Mannheim Friedrichsfeld ihre umfassende Expertise ein. Auch für die wichtigen angrenzenden Bahnprojekte – den leistungsrelevanten Ausbau der europäischen Magistrale Mannheim–Karlsruhe sowie die Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar zwischen Frankfurt und Mannheim – sind KREBS+KIEFER in Ingenieurgemeinschaft gemeinsam mit BPS rail beteiligt und tragen damit zur Stärkung zentraler Mobilitätsachsen in Deutschland und Europa bei.

Komplexität meistern – Zukunft gestalten

Die Umsetzung solcher Großprojekte bleibt komplex. Baugrundrisiken, Bauarbeiten unter laufendem Betrieb sowie Anforderungen an Schall- und Erschütterungsschutz stellen höchste Ansprüche an Planung und Ausführung. Ebenso sind die Integration bestehender Strecken, die Umplanung von Bahnhöfen, die Berücksichtigung neuer Stellwerkstechnologien und die koordinierten Abläufe zwischen allen Gewerken – von Verkehrsanlagenplanung und Ingenieurbau über Leit- und Sicherungstechnik bis hin zu Energieanlagen und Umweltplanung – entscheidend für den Projekterfolg.

Die Unternehmen von Dorsch bringen hierbei ihre interdisziplinäre Expertise ein, um technisch anspruchsvolle Vorhaben effizient, sicher und termingerecht umzusetzen. Die enge Begleitung des Bauherrn durch erfahrene Ingenieurteams gewährleistet Qualität und Verlässlichkeit über alle Projektphasen hinweg.

Unsere Expertise in allen Fachgewerken der Bahnplanung sichert die Schnittstellenthematik und den Blick über den Tellerrand hinaus ab. Ein Vorteil, den auch unsere Bauherren zu schätzen wissen.

Auch wenn diese Projekte nur einen kleinen Ausschnitt eines umfangreichen Sanierungsbedarfs abdecken, setzen sie deutliche Impulswirkungen für die Modernisierung der Schieneninfrastruktur und den Klimaschutz. Die gezielte Erhöhung der Kapazitäten für den Schienengüter- und Personenverkehr auf diesen Teilstrecken hilft, Emissionen zu reduzieren und den Verkehr schrittweise von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität von morgen – und zeigen, wie technisches Know-how und ganzheitliche Planungsansätze die Zukunft des Bahnverkehrs sichern. Eine Expertise, die Dorsch Global in Projekte in Deutschland – und ebenso international – einbringt.

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